Gutscheine und die MwSt.-Berechnung

Gutscheine sind eine tolle Möglichkeit, um Marketing zu treiben. Leider sind sie aber aus Steuer-Sicht nicht ganz einfach. Und wie ich heute feststellen musste, werden die MwSt. auch oft falsch berechnet. Und das in durchaus bekannten und etablierten Shop-Systemen. Deshalb für andere hier meine “Entdeckungen”:

Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Gutscheinen:

  1. Gutscheine, die der Kunde kauft, um den Gutschein dann als Geschenk an andere weiter zu geben.
  2. Gutscheine, die man als Shop-Betreiber aus Gründen des Marketings erstellt, um so den Verkauf anzuregen.

Fall 1:

Im ersten Fall muss man unterscheiden, ob der Gutschein für einen explizit benannten Artikel gedacht ist oder nicht.

  1. Ist er allgemein, so muss der Gutschein ohne MwSt. verkauft werden: Der anfallende MwSt.-Satz ist zum Zeitpunkt schlicht noch nicht bekannt.
  2. Ist der Artikel aber explizit benannt, so muss der MwSt.-Satz bereits mit dem Verkauf des Gutscheins berechnet werden. Andernfalls werden die anfallenden MwSt.-Sätze zu spät an das Finanzamt abgeführt.

Wird der Gutschein nun eingelöst, muss man genau diese Fälle unterscheiden:

  1. Sind beim Kauf des Gutscheins noch keine MwSt. berechnet worden, so fallen nun die MwSt. der Artikel unverändert an.

    Beispiel:
    Artikel 1: 119 € (19% MwSt)
    Artikel 2: 107 € (7% MwSt)
    Gutschein: 20€ (0% MwSt)

    => Gesamtkosten 206€, aber 26€ MwSt

  2. Sind bereits MwSt. beim Kauf des Gutscheins berechnet worden, so müssen diese nun mit abgezogen werden. Andernfalls werden zu viel MwSt. abgeführt. Gut, das freut das Finanzamt, aber nicht den Geldbeutel.

Fall 2:

Neben den Gutscheinen mit absoluten Beträgen sind hier prozentuale Gutscheine beliebt (z.B. 10%-Rabatt). In beiden Fällen reduziert sich der Kaufbetrag – es liegt also ein Preisnachlass vor. Dieser muss entsprechend in der MwSt.-Berechnung berücksichtigt werden. Und genau hier scheiden sich die Geister. Denn in vielen auf dem Markt verfügbaren Online-Shop-Systemen ist die Berechnung der MwSt. genau hier falsch. Glück im Unglück: Das betrifft nur Shops, die Artikel zu unterschiedlichen Steuersätzen verkaufen.

Beispiel prozentualer Gutschein:

Artikel 1: 119€ (19% MwSt.)
Artikel 2: 107€ (7% MwSt.)
Gutschein: 10%

=> Gesamtkosten: 119 – 11,90 + 107 – 10,7 € = 203,40€

Der MwSt.-Satz beträgt hier 19€ – 1,9€ + 7€ – 0,7€ = 23,40€

Der Gutschein muss also in zwei Steuersätze aufgeteilt werden. Falsch ist die Verwendung eines maximalen bzw. minimalen Steuersatzes:

  • Die Nutzung eines maximalen Steuersatzes (19% von 11,90+10,70 = 3,61€) würde zu einem MwSt.-Betrag von 22,39€ führen. Damit würde das Finanzamt zu wenig MwSt. bekommen, womit die Buchhaltung fehlerhaft ist. Das kann bei einer Steuerprüfung sehr teuer werden.
  • Die Nutzung eines minimalen Steuersatzes (7% von 11,90+10,70 = 1,48€) würde hingegen zu einem MwSt.-Betrag von 24,52€ führen. Es würde also zu viel MwSt. abgeführt werden. Das freut zwar das Finanzamt, mindert aber den Gewinn doch spürbar.

Bei Gutscheinen mit absoluten Beträgen ist das Problem ähnlich, nur ist die Berechnung des korrekten MwSt.-Betrages noch etwas komplizierter.

Also Augen auf bei der Benutzung von Gutscheinen! Auf dem Markt bekannte Software macht dies teilweise leider nicht korrekt.

4 Gedanken zu „Gutscheine und die MwSt.-Berechnung

  1. Hallo und Danke für die Erläuterungen!

    Ich glaube dass im 2. Fall ein kleiner Fehler steckt: Die Gesamtkosten sind richtig, jedoch sollte die Formel für die MwSt. “19€ – 1,9€ + 7€ – 0,7€ = 23,40€” lauten.

    Kompliziert wird es auch bei absoluten Rabatten, wo der jeweilige MwSt.-Betrag in Relation zum gesamten Warenwert gemindert werden muss. Eine anteilige Besteuerung gilt auch für Versandkosten.

    • Hallo Lars,

      ja, korrekt. Da ist mir ein Fehler reingekommen. Ich habe den Beitrag korrigiert.

      Bzgl. Versandkosten: Da hat man die Wahl. Die muss nicht anteilig berechnet sein, man kann bei einem gemischten Zinssatz auch einfach immer das Maximum nehmen. Ist in dem Fall natürlich dann zum Nachteil des Kunden. Aber immerhin keinen Ärger mit dem Finanzamt.

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