Planung – die Idee ist alles

Der erste Schritt bei einem Projekt ist die Planung. Doch was gehört hier dazu? Ich betrachte hier das Ganze aus der Sicht eines Produktes. Dass am Ende auch ein Community-System als Produkt stehen dürfte, ist eigentlich klar. Die Gedanken sollten sich aber trotzdem gemacht werden. Ich sehe in letzter Zeit viele Communities kommen und gehen: Wichtig ist also auch hier: Planung:

Am wichtigsten dürfte sicherlich Am Anfang die Idee an sich sein. Ohne sie geht praktisch nichts. In der Betriebswirtschaftslehre spricht man hierbei gern von Vision und Mission:

  • Vision: Sie beschreibt bildhaft eine Zukunftsvorstellung, was ein Unternehmen in seinem Kerngeschäft langfristig (> 5 Jahre) erreichen will. Sie soll dabei als Orientierung für die Gesamtstrategie wirken.
  • Mission: Sie beschreibt den eigentlichen Zweck der Unternehmung. Es wird also die Frage beantwortet, wozu das Unternehmen eigentlich auf dem Markt ist sowie die wesentliche Frage, mit welchen Produkten oder Dienstleistungen der Markt beworben werden soll.

Während also die Vision die Frage klärt, was will man sein (z.B. innovativstes und kundenfreundlichstes Unternehmen), klärt die Mission das “Wie”. Das hört sich eigentlich ziemlich nach Blabla an, ist aber der wesentliche Kern einer Planung. Ohne diese beiden Grundgedanken ist man nicht in der Lage, einen konsistenten Gesamtplan aufzustellen. Nur mit Hilfe einer Vision und einer Mission ist es möglich, nicht ständig hin und her zu springen. Das ist für Projekte im World Wide Web sehr wichtig, denn der Weg zur Konkurrenz ist nicht weit weg. Es ist sehr schädlich für ein Projekt, wenn man als Benutzer keine konsistente Linie wahrnehmen kann.

Gern wird dieser Gedanken dann aufgegriffen und an die Spitze eines Zielsystems gestellt. Mit Hilfe von genauer beschriebenen Unterzielen versuchen wir nun vorab Maßnahmen / Mittel zu finden, welche das Gesamtziel (die Spitze des Zielsystems mit Vision / Mission) realisieren kann. Hier gehören auch alternative Maßnahmen dazu. Wesentlich ist später zur Auswahl, in welchem Ausmaß die Ziele sich gegenseitig beeinflussen und inwieweit sie dem Gesamtziel beitragen (das Thema werde ich noch extra behandeln).

Teilziele können folgenden Einfluss aufeinander haben:

  • Identität: Beide Teilziele verfolgen den gleichen Zweck. Verfolgt man Teilziel 1 zu x %, so verfolgt man auch Teilziel 2 zu x %. Es ist also kein Problem, die beiden Ziele zu kombinieren.
  • Komplementarität: Die beiden Teilziele decken sich zwar nicht, sie stehen aber ein einem positiven Zusammenhang. Verfolgen wir Teilziel 1 zu x %, so verfolgen wir auch Teilziel 2 zu y % (x, y > 0). Wir können die Teilziele also ebenfalls kombinieren, erreichen jedoch Teilziel 2 nicht in diesem Ausmaß wie Teilziel 1.
  • Neutralität: Das ist der einfachste Fall: Teilziel 1 interessiert sich überhaupt nicht an Teilziel 2. Maßnahmen zur Verfolgung der Teilziele sind damit völlig unabhängig voneinander.
  • Zielkonkurrenz: Dieser Fall tritt leider auch oft ein: Wenn wir Teilziel 1 verfolgen, so müssen wir Teilziel 2 zumindest zum Teil aufgeben.
  • Antinomie: Das ist der Extremfall der Zielkonkurrenz: Teilziel 1 ist nur dann zu verfolgen, wenn man vollständig auf Teilziel 2 verzichtet.

Was für Techniken stehen uns zur Verfügung, um Teilziele zu finden und damit die Gesamtidee zu konkretisieren? Als wesentliche Technik dürfte hier BWLern die SWOT-Analyse einfallen. Hier geht es darum, die Stärken und Schwächen der eigenen Unternehmung zu analysieren, aber auch die Möglichkeiten und Gefahren im Vergleich zur Konkurrenz zu betrachten. Hieraus ergeben sich – z.B. aus vorhandenen Projekten – Erkenntnisse über Kundenverhalten (z.B. bei Projekt-Aufträgen: Es wird sicher Änderungen geben) und man kann diese Probleme bzw. eben auch positiven Erkenntnisse direkt in das Produkt einfließen lassen. Durch den Vergleich zur Konkurrenz ergeben sich weitere wichtige Informationen für ein Projekt. Die wichtigste Frage lautet sicherlich: Gibt es überhaupt Konkurrenz? Ohne eine Antwort auf diese Frage braucht man eigentlich nicht weiter machen. Abhängig von der Antwort teilen sich die weiteren Fragen:

Es gibt Konkurrenz:

  • Was bietet die Konkurrenz dem Kunden
  • Welche Prozess-Probleme hintern den Kunden an der Nutzung des Konkurrenz-Produktes?
  • Welche Kundenmeinungen existieren über das Konkurrenz-Produkt
  • Arbeitet die Konkurrenz bereits an einer Verbesserung und ist sie in der Lage, das verbesserte Produkt vor mir auf den Markt zu bringen?

Es gibt keine Konkurrenz:
Die wesentliche Frage ist dann: wie halte ich die Konkurrenz aus dem Markt draußen (BWLer erinnern sich an Porter’s Five Forces). Sehr anschaulich hat das Apple mit dem Ipod realisiert:

Zum einen setzt man für den Kunden die Kosten für einen Umstieg auf ein Konkurrenz-Produkt möglichst hoch (DRM-Schutz). Dies muss nicht unbedingt monetär erfolgen, es kann auch Werte des Kunden betreffen. So ist es für Foren z.B. sehr hilfreich, dem Benutzer die Möglichkeit zu geben, sich zu profilieren. Wieso sollte der Kunde später zur Konkurrenz wechseln und sich erneut profilieren müssen, wenn er in einem funktionierenden und gleichattraktiven System bereits profiliert ist. Der Witz besteht also darin, dem Nutzer einen Mehrwert zu bieten, den er nur durch langzeitige Nutzung erreichen kann.

Die zweite Möglichkeit besteht darin, der Konkurrenz erst gar nicht die Möglichkeit zu geben, in den Markt einzusteigen. Dies erfolgt z.B. dadurch, dass man die Markteintrittsbarrieren möglichst hoch setzt: Wenn die Benutzer mit einem System wunschlos glücklich sind: warum sollten sie zur Konkurrenz? Sicher wird man nie alle glücklich machen können. Die Frage ist aber für die Konkurrenz: Lohnt sich der Arbeitsaufwand für eine Minderheit? Unter Umständen kann man die Kosten für einen Markteintritt (z.B. KnowHow, aber auch Kundenbindung) so hoch setzen, dass dieses Verhältnis nicht mehr zu Gunsten der Konkurrenz steht.

Es ist am Anfang des Projektes wesentlich, sich bereits über die Problematik Gedanken zu machen. In der Regel dauert die Entwicklung einer Plattform mehrere Monate und wenn dann bereits die Konkurrenz in den Markt eintritt, muss man reagieren können.

Informationen sammeln
Die Informationen müssen jetzt alle gesammelt und auch oft erst erhoben werden. Hierzu gibt es viele Techniken:

  • Befragungstechnik: Die Technik dürfte wohl am bekanntesten sein, weil wohl jeder schon einmal befragt wurde. Die Technik ist sehr hilfreich, um in einen vorhandenen Markt einzudringen und zu klären, was der Kunde will.
  • Prognose-Technik: Die Technik basiert hauptsächlich auf vorhandenen Informationen und versucht diese Informationen in die Zukunft abzubilden. Sie ist entsprechend nicht für längere Planungshorizonte geeignet, da sich die Voraussetzungen für Prognosen schnell ändern können. Für neue Web-Projekte sind Prognosen nur dann geeignet, wenn man schon in ähnlichen Projekten gearbeitet hat.
  • Scenario-Technik: Die Technik ist recht eng verwandt mit der Prognose-Technik, ist aber auf längere Zeithorizonte ausgelegt. Wesentlich ist, dass man nicht nur das Endergebnis betrachtet, sondern der Weg dahin das eigentliche Planungsziel darstellt. Somit sind auch Handlungsalternativen einzuplanen.
  • Brainstorming: Die Technik ist eigentlich immer zu verwenden. Sie dient dazu, möglichst viele Ideen zu sammeln und diese dann zu strukturieren.

Dies ist der erste Überblick über Planung: die einzelnen Punkte werde ich in weiteren Artikeln konkretisieren (z.B. Brainstorming) und dann den Weg zum Projekt fortführen. Über Ideen und Anregungen freue ich mich wie immer.

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