Community-Seiten und die 1%-Regel

The Guardian berichtet über das interessante Phänomen, dass meist weniger als 1% der Besucher aktiv an der Gestaltung einer Website teilnehmen. So ist z.B. über YouTube zu lesen (übersetzt):

Die Zahlen sind aufschlussreich: jeden Tag finden 100 Mio. Downloads statt und 65.000 Uploads. […]. Das macht eine “Ersteller-Verbraucher”-Relation von 0,5% aus.

Auch auf Wikipedia ist dieses Phänomen festzustellen, denn…

50% aller Wikipedia-Artikel wurden von 0.7% der Nutzer bearbeitet und mehr als 70% der Artikel wurden von gerade mal 1.8% der Nutzer geschrieben.

[via Basic Thinking Blog]

Auch in anderen Communities ist festzustellen, dass 80% des Inhaltes durch 20% der Benutzer erstellt wurden. In Foren ist es sogar meist noch extremer: Hier wird zwar durch eine Vielzahl von Nutzern ein Thread gestartet, die meisten Antworten stammen aber von einem Benutzerkern, der meist schnell und auch qualitativ hochwertig antwortet.

Dieses Wissen ist für die Vermarktung der eigenen Community natürlich sehr interessant, weiß man doch, dass ein kleiner Kern an Benutzern das Überleben der Community garantieren. So könnte man auf die Idee kommen, die Top-User für ihren Beitrag zu bezahlen. Diese Möglichkeit scheint geradezu offensichtlich. Es ist aber die Frage, ob diese Möglichkeit auch die beste ist, denn dadurch wirken die Beiträge unter Umständen gekünstelt, um auch wirklich den Wünschen des “Arbeitgebers” zu entsprechen.

Der Benutzerkern von Communities existiert auch ohne Bezahlung der Top-User. Auch wenn jetzt BWLer auf die Idee kommen, dieses Konzept zu monetarisieren, wird sich nichts daran ändern. Der Grund: Der Benutzerkern identifiziert sich mit der Community. Die Community ist nicht nur eine Internet-Plattform, sondern sie ist ihm wahrsten Sinne des Wortes eine Gemeinschaft, die auch dann zusammenhält, wenn die Community Probleme hat. Dies hat sich im Strohhalm am Anfang letzten Jahres gezeigt und auch auf Boardunity durfte ich diese Erfahrung nun machen: Hat eine Seite ein gesundes Verhältnis zu seinen Benutzern, so werden auch Probleme tolleriert. Der Benutzerkern bleibt erhalten. Bei “bezahlten” Nutzern muss man nach einem Problem schon tiefer in die Tasche greifen, um wieder Herr der Lage zu werden.

Stellt sich also wieder die Frage: Wie kann man Benutzer am besten dazu ermuntern, aktiv in einer Community teilzunehmen und somit zum Benutzerkern zu gehören. Ich denke, hier sind entsprechende Gimmicks wie “Community-T-Shirt”, “Community-Tasse” und Co. wesentlich besser geeignet als Geld. Als Benutzer ist man auf diese “kleinen Dinge” stolz und trägt sie auch im Alltag (sofern entsprechend gestaltet). Dadurch entsteht automatisch der Effekt der Mundpropaganda und die Community wächst. Unter Umständen eine Kettenreaktion. Dass dies nicht nur in Foren stattfinden kann, sondern auf allen Seiten, die Inhalt von Benutzern erstellen, sollte klar sein: so fordern beispielsweise Besucher des Shopbloggers seit langem Shopblogger-Tassen.

2 Gedanken zu „Community-Seiten und die 1%-Regel

  1. Da ist schon einiges dran an der kleinen Faustregel. Aber neu ist das nun wirklich nicht. Es ist ja klar, wenn man nicht 1-2-3 aktive User hat, schläft das Forum ganz schnell ein.

    Das ist genauso wie bei einem Clan. Wenn man dort nicht seine bestimmten Orgas hast ist der Laden dicht.

    Man braucht immer ein paar Treiber. Und ! man muss seine User ein bisschen bei Laune halten. Hier ein neues Feature dort ein neues Feature, ein neuer Service ein bisschen neues Design. Und an Weihnachten mal ein paar Schneeflocken fliegen lassen (welche der User auch ausschalten kann) .
    Die Trolle ein bischen bremsen, die In-die-Luft-geher runterholen und die Schüchternen ein bischen fordern.

    ;D

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