Vorstellung: Vanilla

Heute möchte ich mal kurz eine Forensoftware vorstellen, die mir recht gut gefällt: es handelt sich dabei um die OpenSource Software Lussumo Vanilla. Das schöne an diesem System: es beschränkt sich auf das Wesentliche. Dies kann beispielsweise auf AjaxTalk betrachtet werden (hier handelt es sich um ein deutsches Forum zum Thema Ajax, das sicher für den ein oder anderen interessant sein könnte).

Standardmäßig werden in Vanilla die neusten Beiträge angezeigt. Im Gegensatz zu phpBB und Co. sieht man somit schon auf der Startseite, welche Inhalte aktuell sind und muss nicht umständlich erst zu den neuesten Beiträgen durchklicken. Damit kommt die Tatsache zum Tragen, dass die meisten Benutzer Beiträge lesen und nicht schreiben wollen. Denn nur für letzteren Vorgang ist eine Aufgliederung in die Kategorien wirklich notwendig (es sei denn, ich will nur Beiträge einer bestimmten Kategorie sehen).

Auch hält man von Avataren und anderen Gimmicks nicht viel, so dass in den Beiträgen nur die wesentlichen Texte zu finden sind und man nicht durch Offtopic vom Wesentlichen abgelenkt wird.

Zusammenfassung Oberfläche:
Im Gesamten ist das System also genau dann richtig, wenn man ein Foren-System sucht, dass schlicht und übersichtlich ist und ein angenehmes Design liefert. Wie bei der Strohhalm-Software beschränkt man sich auf das Wesentliche.

Zur Programmiertechnischen Seite:
Ladet man sich die Quellen von Vanilla herunter, so wird man mit einer recht komplexen Ordner-Struktur überrascht. Die Struktur ist im Gesamten aber recht intuitiv erfassbar und sollte Programmierer nicht vor größere Schwierigkeiten stellen.

Schauen wir uns ein paar Dateien genauer an, so fällt auf, dass ein großer Teil des Systems objektorientiert aufgebaut wurde. Dadurch ist es recht leicht, sich die zuständigen Dateien herauszusuchen, um Änderungen zu erstellen. Schön wäre es hier gewesen, wenn auf der Seite des Produktes eine Klassenübersicht im UML-Format existieren würde, damit die Interaktion der Klassen schneller verstanden werden könnte. So steht nur eine schlichte textuelle Klassen-Übersicht zur Verfügung. Ebenfalls negativ ist mir aufgefallen, dass die Kommentierung recht dürftig ist. So sind Funktionen nur teilweise beschrieben und innerhalb der Funktionen sucht man Kommentare leider (fast) vergeblich. Glücklicherweise sind die Funktionen und Variablen aber mit selbstsagenden Namen versehen, so dass man auf die Funktion in der Regel schließen kann.

Es ist eben das typische Programmierer-Problem: “Wieso soll ich das lang beschreiben, ist doch klar, was die Funktion tut”. Das stimmt zwar, aber wenn man als “Neuling” nach der passenden Funktion sucht und dann immer erst den Quellcode analysieren muss, dann werden aus einfachen Änderungen komplexe Aufgaben. Also an die Programmierer unter uns: Kommentiert lieber zuviel als zuwenig, ihr werdet euch noch dankbar sein!

Aber sehen wir es positiv: wenigstens wurde kommentiert (bei OpenSource leider nicht selbstverständlich – in ClosedSource zwar auch nicht, aber da stört es keinen).

Erweitert kann Vanilla recht einfach. Hierzu sind auf den Vanilla-Seiten auch einige Erweiterungen bereits vorhanden. Auch ist die sprachliche Anpassung sehr gut gelöst (mittels einfachen Sprach-Dateien), so dass einer internationalisierten Seite nahezu keine Hindernisse in den Weg gelegt werden.

Templates:
Hier existiert definitiv die Schwachstelle in Vanilla. Templates sind nämlich nicht vorhanden. Statt dessen muss man zur Design-Anpassung PHP-Code anfassen. Der ist zwar nicht kompliziert und ist auch getrennt von der restlichen Programmierung (separater Ordner “controls”), aber wird dies einen Designer sicher abschrecken.

Fazit:
Vanilla scheint für mich eine sehr interessante Forensoftware zu sein. Wäre sie damals bekannter gewesen, als die Strohhalm-Software neu programmiert wurde – man hätte sich wohl für Vanilla entschieden. Für alle Forenbetreiber also auf jeden Fall einen Test wert.

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